Systemische Familientherapie

Systemische Familientherapie versteht Probleme von Einzelnen im Zusammenhang mit den aktuellen oder vergangenen sozialen Beziehungen und der derzeitigen Lebenssituation.

Sie richtet ihre Aufmerksamkeit auf die Interaktionen in den jeweiligen sozialen Systemen, wie z.B. Familie oder Partnerschaft. Zwischen Mitgliedern dieser Systeme werden durch Handlungen und Sprache Wirklichkeiten erzeugt und aufrechterhalten. Interventionen können hier in positiver Weise ansetzen. Im Sinne der systemischen Sichtweise kann es hilfreich sein, andere Personen des Systems in die Therapie miteinzubeziehen.

Diese Form der Psychotherapie geht in ressourcenorientierter Weise von den jeweiligen Stärken und vorhandenen Fähigkeiten einer Person aus und ist an vergangenen Bewältigungsschritten interessiert, um sie als Lösungsansätze für die derzeitige Problemsituation zu nutzen. Deswegen werden KlientInnen als “Experten und Expertinnen ihrer selbst” gesehen, deren Autonomie gewahrt werden soll und denen der Therapeut bzw. die Therapeutin mit Wertschätzung, Unvoreingenommenheit und Neugier begegnet.

Als Methoden werden unter anderem zirkuläres Fragen, der selbstreflexive Dialog, visualisierende Techniken, Externalisierungen, Metaphern, Hausaufgaben sowie die “Neuschreibung” der eigenen Lebensgeschichte angewandt (siehe auch Brandl-Nebehay & Schmid-Sipka, ÖAS).

Heidi Neumann-Wirsing formuliert ihren Zugang folgendermaßen:

Unter „systemisch“ verstehe ich eine allgemeine Sichtweise der Welt. „Systemisch“ ist mehr als ein Handlungskonzept, es ist eine Art zu denken. Dabei denke ich mir Systeme als Einheiten, als Sinnzusammenhänge. Ich schaue sozusagen auf die Welt mit mir eingeschlossen und sehe Systeme, ähnlich unzähliger Spinnennetze, die in allen Richtungen miteinander verbunden sind. Je nachdem, von welchem Punkt aus ich schaue, sehe ich bestimmte Systeme und andere nicht, grenze ich auf ein System ein, werden die anderen zur Umwelt. Es kommt also auf meinen „Standpunkt“ an, was ich sehe. Das ist meine Realitätskonstruktion.

(Neumann-Wirsig, H. & Kersting, H. J. [Hg.] 1992. Supervision – Konstruktion von Wirklichkeiten. Ibs: Aachen.).

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